Verhaltensauffälligkeiten, grob- und feinmotorische Ungeschicklichkeit, Lernschwierigkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten.

Falls Ihnen bei Ihrem Kind solche oder ähnliche Themen auffallen, kann ein regelmäßiges Training mit Übungen zur Bilateralen Integration eine wirkungsvolle Therapie darstellen. Diese Übungen wurden im „Institute of Neuro-Physiological Psychology“ (INPP) entwickelt. Sie fördern die Lernfähigkeit durch verbesserte Koor­dination und Gleichgewicht, außerdem stimulieren sie die Wahrnehmungsfähig­keit, verbessern die Regulierung der Auf­merksamkeit und sorgen für eine Erweiterung des Verhaltens­spektrums.

Bei Kindern geht den Schwierigkeiten in der Schule oft eine längere Vorgeschichte voraus, bei der manchmal schon im Baby- und Kleinkindalter bestimmte Auffälligkeiten zu beobachten waren. Hier einige der möglichen Symptome:

Beim Baby fallen manchmal schon früh auf:
  • Anpassungsstörungen „Schreikinder“
  • KISS-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung)
  • Stillprobleme
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Motorische Verzögerungen ( z.B. drehen sich nicht, oder sehr spät um)
  • Verdauungsprobleme
  • schlechte Esser
Im Kleinkindalter fallen zum Beispiel beim Kind auf:
  • es entwickelt keinen festen Schlafrhythmus.
  • es ist unruhig und fordernd, hat häufig Wutanfälle und verharrt scheinbar im Trotzalter.
  • es hat schnelle Stimmungsumschwünge.
  • es ist überängstlich und „klammert“.
  • es macht gelegentlich noch ins Bett.
  • es ist ungeschickt und tollpatschig.
  • es ist allergieanfällig und häufig krank.

All dies sind Symptome, bei denen eine Therapie mit Übungen zur bilateralen Integration sehr hilfreich sein kann.

Was ist INPP + Bilaterale Integration?

Bilaterale Integration ist ein Begriff, der ein optimales Zusammenspiel der Funktionen der rechten und der linken Gehirnhälfte beschreibt. In diesem Zustand befinden sich auch die linke und die rechte Körperhälfte als organisches Gesamtsystem im Einklang.

Um die Bilaterale Integration zu verbessern, hat Sheila Dobie (OBE) unter Mitarbeit von Kirsty Brown und Andrew Dalziell ein Bewegungsprogramm entwickelt.

Eine gute bilaterale Integration des Gehirns und des Körpers führt bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu mehr Lebensqualität, mehr Leistungsfähigkeit, sowie besseren Bildungschancen.

Denn ein gutes Zusammenwirken der rechten und linken Hirnhälfte kann
  • die Sinnesorgane schärfen und Wahrnehmungsfähigkeiten verbessern
  • Konzentration und Aufmerksamkeit stärken
  • das Gleichgewicht und die Körperkoordination trainieren
  • die Lese- und Schreib- und Rechenfertigkeiten verbessern
  • die Gedächtnisleistungen erhöhen
  • das Selbstbewusstsein und
  • soziale Fähigkeiten stärken.
Für wen sind Übungsprogramme zur Bilateralen Integration geeignet?
  • Menschen in jedem Alter, die Schwierigkeiten beim motorischen oder kognitiven Lernen haben oder die auffälliges Verhalten zeigen
  • Personen, die ihre Potenziale trotz hoher Intelligenz nicht voll ausschöpfen
  • Menschen mit Beeinträchtigungen körperlicher oder kognitiver Art, zum Beispiel nach Krankheiten wie einem Schlaganfall oder nach Operationen
  • Sportler aller Sportarten und Leistungsniveaus
Ab der Einschulung oder im Laufe Schulzeit treten evtl. weitere Schwierigkeiten auf:

Das Kind

  • ist leicht ablenkbar und wirkt unkonzentriert.
  • vergisst schnell wieder bereits Geübtes und Gelerntes.
  • zappelt auf seinem Stuhl herum und kann nur mit Mühe still und aufrecht sitzen.
  • bewältigt Aufgaben nur sehr langsam.
  • hat Schwierigkeiten, Fakten und Ereignisse in eine logische Abfolge zu bringen.
  • verdreht Buchstaben beim Lesen und Schreiben und macht Fehler beim Abschreiben von der Tafel oder aus dem Buch.
  • hat eine verkrampfte Stifthaltung.
  • hat Schwierigkeiten beim Rechnen.
  • hat eine undeutliche Aussprache und das Vorlesen ist meist mühevoll, ausdruckslos und monoton.
  • hat Haltungsfehler, z.B. Rundrücken, Skoliose.
Was lässt sich durch ein Training in Bilateraler Integration erreichen?
  • Verbesserung des eigenen Körperbewusstseins
  • Stärkung des Gleichgewichtssinns und der Haltungskontrolle
  • Steigerung der Kreuzkoordination
  • Training der räumlichen Wahrnehmung und des Richtungssinns
  • Förderung und Präzisierung der Feinmotorik
Wie sind die Übungen zur Bilateralen Integration?
  • alle Übungen entsprechen der natürlichen menschlichen Bewegungsentwicklung
  • durch verschiedene Bewegungsaufgaben werden die Grob- und die Feinmotorik geschult, sowie die Balance und Haltungskontrolle
  • Bewegungsabläufe werden langsam eingeübt und schrittweise immer fließender ausgeführt, von einfachen hin zu komplexeren Bewegungen
  • manche Übungen werden eher passiv, andere aktiv ausgeführt
  • Übungen beginnen zunächst im Liegen, später wird im Stehen und dann dynamisch geübt

INPP + Bilaterale Integration bei Kindern und Babys

Wissenschaftlicher Hintergrund der INPP + Bilateralen Integration

Die Bilaterale Integration wurde am INPP in Schottland entwickelt. INPP ist die Abkürzung für das „Institute of Neuro-Physiological Psychology“. Dort wurde bereits seit den 1970ern untersucht, wie sich früheste Störungen in der Entwicklung des Zentralen Nervensystems auf die weitere kindliche Entwicklung auswirken.

Erforscht wurden dabei Störungen in Bezug auf Bewegung, Wahrnehmung, Verhalten und Lernen. Als Mit-Ursache für Entwicklungsauffälligkeiten in diesen Bereichen wurden außerdem Restreaktionen frühkindlicher Reflexe identifiziert, die über die ersten Lebensmonate fortbestehen.

Das INPP hat darauf aufbauend Diagnose-Methoden entwickelt, mit denen diese unreifen neuromuskulären Muster im jeweiligen Ausprägungsgrad erfasst werden können – auch bei älteren Kindern und Jugendlichen (ebenso auch bei Erwachsenen).

Als Programm für eine Behandlung wurden entsprechende körperliche Bewegungsübungen konzipiert, die durch Stimulierung dazu führen, dass die neuromotorischen Muster nachträglich Ausreifen können und Restreaktionen gehemmt werden. Diese Übungen sollten ca. 1 – 1 ½ Jahre täglich nach qualifizierter Anleitung und unter regelmäßiger Supervision zu Hause durchgeführt werden.

INPP + Bilaterale Integration – nicht nur für Kinder

Sheila Dobie, die Gründerin von INPP Schottland, entwickelte die Bilaterale Integra­tion. Sie arbeitete viele Jahre intensiv mit Kindern und Jugendlichen mit verschiede­nen Lernschwierigkei­ten, die trotz guter Intelligenz in der Schule versagten und den all­täglichen Anforderungen nicht gerecht werden konnten.

Die von ihr erarbeitete Therapiemethode hat weitreichende Auswir­kungen auf die Hemmung primitiver Reflexe und die Normalisie­rung des Muskeltonus, so dass die Körperteile unabhängig (unilate­ral) oder im Zusammenspiel (bilateral) und der Ober- und Unterkör­per harmonisch zusammen arbeiten können.

Die Neuroplastizität des Gehirns ermöglicht es, Kindern und Er­wachsenen durch bi­laterale Integrationsübungen eine zweite Chan­ce zu geben. Sie können lernen, Defizite zu überwinden und die integrativen Funktio­nen des sensorischen Systems zu verbessern. Übungen zur bilate­ralen Integration fördern die Lernfähigkeit durch verbesserte Koor­dination und Gleichgewicht, Stimulation der Wahrnehmungsfähig­keit, Regulierung der Auf­merksamkeit, Erweiterung des Verhaltens­spektrums.

Wenn die Neurophysiologische Entwicklungsförderung INPP ver­gleichbar ist mit ei­ner barocken Fuge – präzise, ruhig, mathema­tisch genau – so ist die Bilaterale In­tegration der Rock’n Roll unter den Bewegungsprogrammen – dynamisch, schnell, voller Witz und Power!

Ursachen von Lern-, Bewegungs- und Verhaltensauffälligkeiten

Kindliche Entwicklungsstörungen bzw. -verzögerungen können häufig auf Probleme zurückgeführt werden, die bereits in der Schwangerschaft, bei der Geburt oder innerhalb des ersten Lebensjahres entstanden sein könnten.

Bereits im Mutterleib steuern Reflexe erste automatische Bewegungen, die das Wachstum und auch die Hirnreifung fördern. Jedes Kind wird mit frühkindlichen Reflexen geboren.

Mit dem Fortschreiten der Gehirnreifung und der damit verbundenen Entwicklung der Willkürmotorik müssen die frühkindlichen Reflexe gehemmt und in Halte- und Stellreaktionen umgewandelt werden.

Störende Einflüsse können diesen Entwicklungsprozess beeinträchtigen und bewirken, dass Reste dieser Reflexe in einem nicht klinischen aber dennoch irritierenden Umfang „aktiv“ bleiben können.

Folgen

Die Folgen derartiger neurophysiologischer Entwicklungsstörungen sind dann beispielsweise ausgelassene oder nicht vollständig durchlaufene Bewegungsphasen im ersten Lebensjahr, die als Meilensteine der sensomotorischen Integration gelten. So kommt es zu Einschränkungen in Bewegung, Wahrnehmung, Lernen und Verhalten. Auch Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung können in diesem Zusammenhang stehen.

Häufig zeigen diese Kinder Symptome von Hyperaktivität, Ängsten oder anderen Verhaltensauffälligkeiten. Misserfolge in der Schule komplettieren den „Teufelskreis“.

Fragebogen zur ersten Selbstdiagnose

Mit dem vom INPP entwickelten Fragebogen haben Sie die Möglichkeit, erste Hinweise darüber zu erhalten, ob erkannte Schwierigkeiten auf eine neurophysiologische Entwicklungsverzögerung zurückgeführt werden können. Der Fragebogen ist in einer Version für Kinder und in einer Variante für Erwachsene verfügbar.

Die einzelnen Fragen des Fragebogens beruhen auf genau untersuchten Zusammenhängen zwischen Reflexaktivität und Entwicklungsauffälligkeit. Bei mindestens acht Ja-Antworten ist ein Training mit Übungen der Bliateralen Integration eine überaus empfehlenswerte Methode.

Wenden Sie sich bitte anschließend mit dem Fragebogen an uns, damit wir mit einem persönlichen Gespräch das weitere Vorgehen mit besprechen können.